Unterschätzte Jäger im Blühstreifen

Spinne auf Schafgarbe

Spinne auf Schafgarbe

Die in Deutschland mehr als 800 vorkommenden Arten unterscheiden sich erheblich in Größe, Gestalt und Musterung voneinander. Bei allen Spinnen gleich sind der zwei-geteilte Körperbau mit Vorder- und Hinterleib. Am Vorderleib sitzen die Kieferklauen mit den Giftdrüsen sowie die Kiefertaster, mit denen sie ihre Umgebung erkunden.

Auch die für Spinnen typischen acht Augen und die vier Beinpaare findet man dort. Am Hinterleib befinden sich die Spinnendrüsen, aus denen ein proteinhaltiges Sekret austritt, das sich an der Luft schnell zu einem Spinnfaden verhärtet. Junge Spinnen können einen solchen Spinnfaden nutzen, um sich vom Wind getragen, über große Strecken zu verbreiten.

Spinnen als Nützlinge

Spinnen können nach ihrem Jagdverhalten in drei Hauptgruppen unterteilt werden: solche, die Beute in ihren Netzen fangen (z. B. Radnetzspinnen), solche, die perfekt getarnt still auf Blüten sitzen und ihre Beute erst aus nächster Nähe zupacken (z. B. Krabbenspinnen) und solche, die sehr agil sind und aktiv nach Beute suchen (z. B. Springspinnen). Alle diese Gruppen leben vorwiegend als Räuber, fressen aber auch Nektar und Pollen.

Ihre Hauptnahrung besteht aus Fliegen, Mücken, (geflügelten) Blattläusen, Trauermücken, Weißen Fliegen und Insekten, die zur Verpuppung oder Überwinterung den Boden aufsuchen. Im Allgemeinen machen Spinnen keinen Unterschied zwischen nützlichen und schädlichen Insekten. Jedoch zeigen Untersuchungen in landwirtschaftlichen Kulturen, dass verschiedene Spinnenarten hervorragend an die Besonderheiten des Ackerbaus angepasst sind und vorwiegend Schadinsekten vertilgen.

Zum einen sind bei Netzspinnen die Netze fest genug, um z.B. geflügelte Blattläuse festzuhalten, jedoch meist zu zart für größere geflügelte Nützlinge. Zum anderen besteht bei einem verstärkten Schädlingsauftreten ihre Beute anteilig aus mehr Schädlingen. Dadurch, dass die höchste Bestandesdichte der Spinnen i. d. R. am Feldrand vorkommt und viele Schädlinge sukzessive vom Rand aus in die Kulturfläche eindringen, können diese Spinnenvorkommen zur Zeit des Befallfluges einen Großteil der einwandernden Blattläuse abfangen.

Warum NüBS Spinnen fördern

Spinne

Spinne auf Margerite

Spinnen können in mehrjährigen NüBS überwintern und hier im Frühjahr auch erste Beute finden. Zudem fressen viele Spinnenarten auch Nektar und Pollen. Netzebauende Spinnen, z. B. ernähren sich bis zu 25 % von Pollenkörnern, die an den Fäden haften bleiben. Vom Blühstreifen aus können die Spinnen im Frühjahr die Kulturflächen neu besiedeln.

Speziell kleine Spinnenarten legen durch ihren Fadenflug größere Strecken zurück. Die Aufenthaltsdauer von Spinnen in der Kultur liegt in Getreide- und Rapsfeldern zwischen 2 und 3 Monaten. Bei der Ernte der Kulturpflanzen werden die an den Pflanzen angeklebten Eikokons vernichtet und die ausgewachsenen Spinnen durch Bodenbearbeitung stark dezimiert. Da die meisten Spinnen nur eine Generation pro Jahr durchlaufen und ab Herbst als Jungtiere überwintern, sind Ausweichhabitate in Form von mehrjährigen Blühstreifen sehr wichtig für eine stabile Spinnenpopulation.