Vorstandsvorsitzender Agrar Geroda eG, Thüringen

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Ralf Voit

 … gerade das Getreidehähnchen oder der Blattlausbefall – es ist bedeutend weniger gewesen. Wir reden da zwischen 10 und 15% weniger Befall.

Im Mai waren wir bei der Agrar Geroda eG zu Besuch. Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Ralf Voit wurden im Herbst 2023 sechs Nützlingsblühstreifen mit einer Gesamtfläche von 0,686 Hektar angelegt.

Die Agrar Geroda eG im Saale-Orla-Kreis bewirtschaftet insgesamt 1054 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Produktion setzt sich aus dem Anbau von Feldfrüchten,  der Milchviehhaltung und Grünlandbewirtschaftung zusammen. Auf den Feldern werden vor allem Getreide wie Weizen, Gerste und Roggen sowie Mais und Raps angebaut. Zusätzlich wird noch eine Biogasanlage betrieben. Die Genossenschaft ist im Naturschutz sehr aktiv. Dazu gehören unter anderem die extensive Nutzung von Grünlandflächen zur Förderung der Artenvielfalt, die Unterstützung von Weißstorch-Projekten durch die Bereitstellung von Nistmöglichkeiten sowie die Schaffung von Nahrungs- und Reproduktionsräumen für bedrohte Tierarten. Darüber hinaus werden Schwarzbrachen angelegt und (Nützlings-)Blühstreifen eingesät. Der Betrieb legt großen Wert darauf, im Einklang mit der Natur zu arbeiten.

Schild Blühstreifen

© Ralf Voit

blick von oben

 © Ralf Voit

Herr Voit im Blühstreifen
Test, wieviel Leben ist im Blühstreifen Herr Voit und eine Mitarbeiterin
blick von oben

 © Ralf Voit

Streifen im Winter

© Ralf Voit

Das Interview

Was hat die Agrar Geroda eG motiviert am Projekt teilzunehmen?

Man hört immer, die Landwirtschaft macht alles kaputt […] – die Landwirtschaft ist schuld am Insektensterben, die Landwirtschaft ist schuld, wenn die Preise hochgehen [usw.]. Dem Insektensterben wollen wir ein bisschen entgegenwirken. Es heißt immer, wir müssen schützen, [aber] was müssen wir eigentlich schützen? Auf der einen Seite bedeutet das ja vielleicht auch Einsparungen für uns, auf der anderen Seite wollen [wir] den Naturschutz mit der Landwirtschaft verbinden. Und das ist unser [Motto] mit unseren ganzen Projekten, die wir machen. Und diese [Nützlings-]Blühstreifen sind ein Teil davon. Ja, wo man sagen kann, man kann Artenvielfalt sichern oder verbessern […] und auf der anderen Seite womöglich noch Gelder einsparen oder überhaupt Chemie einsparen, also […] Gelder für die Überfahrten einsparen.

Und wir […] machen ja sowieso integrierten Pflanzenschutz – das heißt, bevor wir irgendeine Maßnahme machen, gehen wir raus und gucken, [ob] diese Maßnahme überhaupt notwendig [ist]. Es gibt bestimmte Schadschwellen, die einzuhalten sind. Aber wenn wir die Möglichkeit haben, durch Anlage bestimmter Flächen auch diese Sachen zu sparen, dann würden wir das gerne tun. Dann wollen wir das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.

Und welche Erwartungen hast du an das Projekt?

Eine ganz klare Erwartung. Und die hat sich zum Teil bereits erfüllt, dass man die Nützlinge fördern und gleichzeitig unsere Schadinsekten im tolerierbaren Bereich halten [kann]. Und die ersten Bonituren, die wir gemacht haben[…] gerade das Getreidehähnchen oder den Blattlausbefall – es ist bedeutend weniger gewesen. Wir reden da zwischen 10 und 15 % weniger Befall. [Mein Kollege] geht in den Bestand rein und sagt okay, wie viele Schaderreger haben wir? Wie viele Blattläuse sind da pro Pflanze?

Wie würde für dich eine Agrar- und Umweltmaßnahme mit Nützlingsblühstreifen aussehen?

Na, von der Sache her [eigentlich] so, wie es jetzt ist. Aber wir müssen natürlich auch dementsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung [gestellt bekommen]. Wir bringen mit [den] Agrar- und Umweltmaßnahmen eine Leistung für die Gesellschaft und die Gesellschaft muss […] bereit sein, dafür zu bezahlen. […] Man will gesunde Lebensmittel haben, aber ist nicht bereit dafür den entsprechenden Preis zu zahlen. Und wir wollen einfach sagen, wenn wir eine Leistung erbringen, dann [sollte] die uns bezahlt werden. Wenn wir Getreide an den Händler verkaufen, kriegen wir von dem Händler Geld und wenn wir etwas für die Gesellschaft machen, müsste uns die Gesellschaft dafür was geben als Ausgleich. Wir schwanken ja immer zwischen Ökologie und Ökonomie. Ja, ich mache um jeden Streifen ein Vorgewende, ich lasse an jedem Streifen den halben Meter Platz […] als Kompensation. Und das sind ja alles Verluste. Das darf man nicht vergessen. Ja, auf diesen Flächen ernte ich nicht das, was ich ernten könnte. Das muss ausgeglichen werden. Der Arbeitsaufwand darf nicht signifikant mehr sein, als wenn ich das normal bearbeiten würde. Wir müssen rauskriegen, was bringt [uns das]. Ja, und wenn es nur dieser ökologische Wert ist. Dann muss man überlegen, wie man das […] gestaltet.

Und zum Schluss: Was ist deine Lieblingspflanze aus dem Nützlingsblühstreifen?

Die Margeriten, weil die von sehr unterschiedlichen Insekten beflogen werden. Ob das eine Schwebfliege ist, ein Rosenkäfer, ein Bockkäfer, ein Schmetterling. Und sie blüht [sehr früh] – also die Magerwiesen-Margerite. Das ist etwas Wunderschönes. Und wie gesagt, ich habe den Eindruck, dass da sehr viele unterschiedliche Tiere dran gehen. Vielleicht an die anderen auch, aber die sticht ins Auge.