Niels Harzer
Geschäftsführer Agrar-und Handels-GmbH Mehderitzsch, Torgau in Sachsen

Niels Harzer
Auffällig war jedoch die Zunahme von Niederwild wie Fasane, Hasen und Rebhühner sowie von Vögeln wie Kranichen.
Der Betrieb setzt sich aus dem Anbau von Marktfrüchten sowie der Hofmolkerei Bennewitz zusammen, deren Produkte in ganz Sachsen vermarktet werden.
Auf ca. 750 ha werden viele verschiedene Kulturen angebaut, darunter klassische Getreidearten wie Weizen, Gerste, Roggen und Hafer, aber auch Körnermais, Sonnenblumen und seit kurzem auch Sojabohnen. Die Flächen des Betriebs liegen unter anderem in der Elbe-Elster-Niederung sowie im Bereich der Düben-Dahlener Heide, teils auf sehr leichten Böden und in unterschiedlichen Schutzgebieten. Dazu zählen verschiedene FFH-Gebiete, Vogelschutz- und Wasserschutzgebiete.
Mit rund 20% der Betriebsfläche nimmt der Betrieb an verschiedenen Agrarumwelt- und Fördermaßnahmen teil. So können auch ertragsschwache Flächen wirtschaftlich genutzt und Ertragsschwankungen ausgeglichen werden. Außerdem beteiligt sich der Betrieb an verschiedenen Blühflächenprogrammen und hat insgesamt knapp 35 ha angelegt.
Das Interview
Was hat Sie motiviert an dem Projekt teilzunehmen?
Da wir bereits mit zahlreichen Blühstreifen arbeiten, war es für uns spannend, den Nützlingsblühstreifen auszuprobieren. Er enthält gezielt Pflanzen wie Körner- und Ölsaaten, Hülsenfrüchte sowie Doldenblütler wie Möhren, Fenchel und Dill. Diese bieten während der gesamten Vegetationsperiode Nahrung für eine Vielzahl von Insekten, darunter Marienkäfer, Schlupfwespen und Florfliegen. Eine Verringerung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes konnten wir nicht feststellen, da wir hauptsächlich Herbizide verwenden und Insektizide nur bei starkem Blattlausbefall in der Gerste einsetzen. Auffällig war jedoch die Zunahme von Niederwild wie Fasane, Hasen und Rebhühnern sowie von Vögeln wie Kranichen. Ursache dafür sind die während der Vegetationsperiode unangetasteten Blühflächen, die Schutz und Rückzugsmöglichkeiten bieten.
Wie verhält sich der Nützlingsblühstreifen im Unterschied zu anderen Blühflächen?
Der Nützlingsblühstreifen ist anfangs schlecht aufgelaufen, daher haben wir einige Sonnenblumen nachgesät. Im Herbst wurde der gesamte Streifen mit der Wiesenschleppe bearbeitet, um abgestorbenes Pflanzenmaterial zu entfernen. Unsere Vorgehensweise: Bei wenig Bestand wird abgeschleppt, bei viel Pflanzenmasse sauber geräumt. Ein einigermaßen feuchter Herbst lässt alles erneut keimen. Anfangs sah es schlecht aus, inzwischen ist der Bestand sehr gut. Nach dem Schleppen war Feuchtigkeit im Boden, und dann ging es richtig los. Angesichts des Saatgutpreises ergibt dies natürlich Sinn.
Was würden Sie sich politisch bezüglich der Gestaltung der GAP-Maßnahmen wünschen?
Es sollte nicht ständig infrage gestellt werden, ob Maßnahmen, die sich bewährt haben und in der Praxis funktionieren, sinnvoll sind. Landwirtschaft ist vielfältig – es gibt nicht die eine richtige Art. Eine Einkommensalternative zur reinen Produktion durch Agrarumweltmaßnahmen ist immer sinnvoll und unterstützt diejenigen, die solche Maßnahmen umsetzen möchten. Sie leisten zudem einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität. Zu glauben, man betreibe besonders ‚tolle‘ Landwirtschaft, nur weil man ausschließlich auf Wachstum setzt und am Weltmarkt mitmischt, ist Unsinn. Die Preisbildung dort folgt anderen Mechanismen als im regionalen Kontext. Deshalb sollten Agrarumweltmaßnahmen grundsätzlich als Einkommensstützung erhalten bleiben – für diejenigen, die sie nutzen wollen.
Was ist Ihre Lieblingspflanze im Blühstreifen?
Die Möhre – da steckt wirklich Leben drin: Die Blüten werden von Wildbienen, Hummeln und Schwebfliegen besucht, das Kraut dient der Raupe des Schwalbenschwanzes als Nahrung und die Samen fressen verschiedene Vogelarten wie Stieglitz, Goldammer und Sperling.


