Klaus Persdorf
Betriebsleiter von zwei Agrarbetrieben in Sprotta und Doberschütz

Klaus Persdorf
Wenn es klappt, arbeiten wir weiter so – und wenn nicht, war es den Versuch wert.
Klaus Persdorf ist zusammen mit Karsten Ittner Betriebsleiter der Agrargenossenschaft „Heideglück“ Sprotta eG und der Agrargut Wöllnau GmbH in Doberschütz in Sachsen.
Der Betrieb hat für das Projekt einen Blühstreifen mit einer Länge von 610 m angelegt.
Das Interview
Was hat Sie motiviert am Projekt teilzunehmen?
Die Kenntnis über die ständig steigenden Pflanzenschutzmittelkosten und dann auch ganz einfach der innere Versuch, ob etwas anders gemacht werden kann – ohne bzw. mit geringerem Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln. Und wenn sich jemand damit beschäftigt, unterstütze ich das gerne. Ich profitiere ja von den Ergebnissen. Wenn es klappt, kann man ja in der Richtung weiterarbeiten und wenn nicht, war es den Versuch wert.
Nehmen Sie an Agrar- und Umweltmaßnahmen in ihrem Betrieb teil?
Ja, wir versuchen auf den ertragsschwachen Lagen alle Möglichkeiten der Extensivierung zu nutzen, um dort die Zuschüsse als Einnahmen zu generieren, denn der finanzielle Erfolg über den Ertrag des Marktfruchtanbaus auf unserem Standort sehr unsicher ist.
Welche Erfahrung haben Sie mit Programmen zur Anlage mit Blühstreifen gemacht?
Eines der wichtigsten Kriterien ist einfach, was verdiene ich damit? Sehr vorteilhaft für uns war die Maßnahme AL 5d (Einjährige Blühfläche) der damaligen Richtlinie AUK/2015. Die dafür ausgereichten finanzielle Mittel waren sehr attraktiv und gleichzeitig konnte der Forderung vielen Verpächter nach regelmäßiger Bearbeitung der Felder entsprochen werden. Somit konnte sogar mit diesen ertragsschwachen Flächen ein angemessenes Ergebnis erwirtschaftet werden. Als die Laufzeit dieser Richtlinie endete, sind wir auf die Maßnahme AL 5b der neuen Richtlinie AUK/2023 (Selbstbegrünte mehrjährige Brache) umgestiegen. Mit diesen, auf die beschriebene Art und Weise erwirtschafteten finanziellen Erträgen wird der Anbau von Futter- und fruchtfolgebedingten Marktfruchtkulturen auf unserem ertragsunsicheren Standort quersubventioniert. Ohne diese Mittel wäre ein Anbau hier bei der gegenwärtigen Preisgestaltung für landwirtschaftliche Erzeugnisse, den naturschutzrechtlichen Auflagen und den öffentlichen Eingriffen in den Wettbewerb um die Flächen betriebswirtschaftlich kaum möglich.
Was wünschen Sie sich bei der Gestaltung von Agrar- und Umweltmaßnahmen?
Zuallererst muss wie gesagt der Ertrag stimmen – denn der Landwirt erbringt für die Gesellschaft dadurch auch eine Leistung neben der Erzeugung von landwirtschaftlichen Produkten. Sei es die Bereitstellung von Lebensräumen für unterschiedlichste Pflanzen sowie Tiere bzw. Insekten, die Verhinderung von Einträgen in den Boden sowie das Grundwasser und vieles mehr. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass damit auch die Kapazitäten für einen eventuell erforderlichen Anbau von Nahrungsmittel ebenfalls erhalten bleiben. In der heutigen Zeit mit knappen Ressourcen und immer häufiger unterbrochenen Lieferketten ein nicht zu unterschätzender Sachverhalt.
Aber diese Leistungen kosten dem Landwirt auch Geld. Sei es der Kauf von zertifiziertem Saatgut entsprechend staatlicher Vorschriften, die Durchführung von Bodenbearbeitung bzw. mechanischer Pflege der Flächen und anderes mehr. Und auch die Gemeinden fordern die Grundsteuer ein oder die Berufsgenossenschaft ihre nicht unerheblichen Beiträge. Eine große Aufwandsposition ist ebenfalls die Nachweisführung für die Agrarverwaltung. Diese sollte so ausgestaltet werden, dass sich dabei Ämter und Landwirte als Partner verstehen.
Ich würde mit wünschen, dass sich unsere Gesellschaft ganz deutlich, und nicht nur halbherzig, zum Erhalt der Landwirtschaft auf unserem ertragsunsicheren Standort bekennt und ebenfalls akzeptiert, dass die in diesem Bereich direkt beschäftigten Menschen gleichberechtigt am Einkommenszuwachs der Bevölkerung beteiligt werden.
Wenn diese Grundprinzipien sicher sind, dann kann darüber diskutiert werden, wie sie konkret mit Leben erfüllt werden.
Haben Sie noch weitere Gedanken zu den Nützlingsblühstreifen?
Es wäre schön, wenn das Prinzip der Nützlingsstreifen funktioniert und den landwirtschaftlichen Betrieben zukünftig praxistaugliche Lösungen angeboten werden können. Ich bin mir aber sicher, dass diese Projekte nicht allein erfolgreich sein können, sondern immer in einen Komplex von Maßnahmen eingebettet werden müssen.
Und zum Schluss: Was ist Ihre Lieblingspflanze im Blühstreifen?
Die Margerite. Das sieht sehr schön aus vom Wald aus – ein sehr schöner Anblick.


