Josephine Moog

 Landwirtin am Biohofgut Klappendorf, Gemeinde Lommatzsch, Landkreis Meißen

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Josephine Moog

Ich denke, dass auch ganz viel Wissen verloren gegangen ist über die letzten Jahrzehnte.

Das Betriebsgelände mit langer landwirtschaftlicher Tradition wird geprägt durch historische Gebäude und moderne Betriebstechnik.

Der Hof widmet sich dem Ackerbau auf knapp 400 ha und ist bereits in den Anfang 2000ern auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt worden.

Dabei werden die verschiedensten Ackerkulturen angebaut und in der Region vermarktet. Darunter Getreidearten wie Dinkel, Weizen, Hafer und Roggen sowie Körnermais und Ölsaaten wie Raps und Sonnenblume.

Durch die Nähe eines großen Lebensmittelverarbeiters werden auch Gemüseerbsen angebaut und frisch geerntet. Ein weiterer großer Anteil im Betrieb macht der Anbau von Kartoffeln aus.

Josephine engagiert sich außerdem bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland und ist dort im Vorstand vertreten.

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Mohnblumen und Mageriten im Blühstreifen ©Kosubek

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Blühstreifen am Feldrain ©Kosubek

Das Interview

Was hat dich motiviert, an dem Projekt „Gezielte Insektenförderung für die Landwirtschaft“ teilzunehmen?

Also ich finde grundsätzlich die Idee, herauszufinden, was mir helfen kann, meine Bestände gesund zu erhalten, super interessant. […] Es ist so eine Mischung aus: Du schaffst einen Raum, der erstmal anders aussieht – also du [durch]brichst die Landschaft – und hast die Möglichkeit einen Rückzugsort für sämtliche Tiere, also nicht nur Insekten, die zwar sehr im Vordergrund stehen, in dem Fall aber auch für andere Tiere zu schaffen.

Und […] mich hat tatsächlich sehr interessiert, was es bewirkt. […] Ich denke, dass auch ganz viel Wissen verloren gegangen ist über die letzten Jahrzehnte […]. Ich glaube, früher war gar nicht mal für alles ein Wissen da, sondern es war diese Synergie zwischen Pflanzen und Tieren, die viel gemacht hat, ohne dass der Mensch es bewusst mitgekriegt hat.

Fehlende Pflanzen, fehlende Tiere bedeuten, die Synergie ist auch weg, ohne dass erklärt ist, warum. […] und ich fände es auch gut, wenn man damit zeigen kann, es gibt einen positiven [Effekt], nicht nur für […] die Leute, wenn sie vorbeifahren und sagen „ach, das ist aber schön“. Das fände ich schon spannend, weil es dann auch handfeste Begründungen gibt, sowas mitten ins Feld rein zu machen. Also die Idee alle paar Meter so einen Streifen [zu setzen] ist eben sehr viel Arbeit. Es ist ein Extraufwand, der nur dann Sinn ergibt, wenn er irgendwie begründet ist. Und „schön“ ist halt kein guter Grund. Also […] wirtschaftlich nicht und arbeitsaufwandtechnisch auch nicht. Und für Landwirte hat der ästhetische Grund nicht wirklich den Vorrang. Also […] ich finde es sehr spannend und ich finde es auch sehr unterstützenswert.

Würdest du denn Nützlingsblühstreifen anlegen, wenn sie durch die GAP gefördert werden würden?

Also die Frage ist tatsächlich die Entlohnung am Ende des Tages. Also grundsätzlich sind wir dafür offen und lesen uns [die Maßnahmen] auch immer durch, wie gut das bei uns reinpassen würde. Es steht immer die Frage, wie wird das honoriert weil es ja schon auch ein Mehraufwand ist. Und wie hoch sind die Hürden, es umzusetzen? Also wir sind ein Biobetrieb -was für Saatgut kriegen wir? Muss es wieder bio-zertifiziert [sein]? Sondergenehmigung usw.? Dann ist es schon wieder ein Extra-Aufwand. Wenn ich das kombiniere, wird mir wieder woanders was abgezogen. Wie sind die Rahmenbedingungen? Muss es immer eine bestimmte Breite sein, eine bestimmte Länge sein, eine bestimmte Flächengröße sein? Also wie eng ist dieser Rahmen gestrickt, in dem wir das dann machen dürfen? […] Also da ist schon die Frage, wie gestaltet man das aus als Maßnahme […]. Es muss für den Landwirt relativ einfach umsetzbar sein, damit die Hürde, es zu tun, nicht so hoch ist.

Wie kann für dich eine nachhaltige Landwirtschaft gelingen? Was würdest du dir wünschen?

Also ich fände schon mal erstens eine Konstante [sehr gut]. Also es gibt ja gefühlt keinen Plan mehr für die Landwirtschaft in der Politik, sondern es geht immer nur so um halbe Legislaturperioden – am Anfang wird immer über alles diskutiert, dann wird ein bisschen Landwirtschaft gemacht und dann ist schon wieder vorbei. Das erste wäre so ein langfristiger Plan, wo es denn hingehen soll. Also können wir nochmal kurz uns besinnen, was ist das Ziel von Landwirtschaft? Wofür dient Landwirtschaft? Wie funktioniert sie aber

auch? Und sie funktioniert halt nur im Kreislauf, wenn alles mitgedacht wird und nicht, wenn irgendwas komplett aus-geschlossen wird. Und am besten funktioniert Landwirtschaft mit einer hohen Vielfalt und eine hohe Vielfalt bedeutet für mich auch eine hohe Flexibilität. Das heißt, es sollte Tiere geben, auch in unterschiedlicher Haltung bis zu einem gewissen Punkt [..] aber ich bin der Meinung, wir müssen irgendwie ein gesundes Maß finden. Von daher Ich würde mir einfach eine Kontinuität wünschen, eine klarere Formulierung, wo wir hinwollen […]. Also ich meine ich bin nicht so alt, aber von dem, wie ich es mitkriege, war dieser Berufsstand selten so desillusioniert wie derzeit – er war aufgebracht, er war gut drauf, er war motiviert, er war voller Ideen, er war genervt, er war aufgeregt usw. – also alles mit Energie verbunden. Aber jetzt ist irgendwie die Energie raus, weil es einfach so mürbe gemacht wurde, weil es permanent so einen schnellen Wechsel in irgendwelche Richtungen gibt. Also es wird von der Landwirtschaft sehr viel angeboten, wie die Zukunft aussehen könnte und wie wir auch die Zukunft gerne mitgestalten würden. Und da gibt es sehr viele, die sich sehr engagieren.

Hast du eine Lieblingspflanze im Blühstreifen?

Also, ich glaube, Ringelblume […] die finde ich tatsächlich ganz cool. Zumal die ja auch sehr viele positive Effekte auf Mensch, Tier und Pflanze haben.