Dietmar Brandt
Landwirt, Imker und Jäger im Braunschweiger Land

Dietmar Brandt
… man hat einen mordsmäßigen Wind- und dadurch Erosionsschutz.
Schon vor der Teilnahme am Projekt war Herr Brandt sehr interessiert und engagiert mit der Anlage von Blühflächen – zumeist als Zwischenfrucht in den Anbau integriert.
Im Projekt „Gezielte Insektenförderung für die Landwirtschaft“ ist er von Anfang an mit dabei und legte im Herbst 2021 fünf Blühstreifen in einer Gesamtgröße von 0,24 ha an. Da sein Betrieb einer derer ist, die Versuchsflächen für das Monitoring in Niedersachsen bereitstellten, wurden ebenso viele Grasstreifen als Kontrollvariante angelegt.
Die Untersuchungen wurden vom Julius Kühn-Institut durchgeführt. Hierbei wird die Effektivität des Nützlingsblühstreifens im Vergleich zu dem Kontrollstreifen erhoben, indem Arthropoden gefangen oder beobachtet werden. So kann verglichen werden, inwiefern der Nützlingsblühstreifen für die Landwirtschaft nützliche Arthropoden beherbergt.
Wiesen-Margerite im Winterschlaf
Malven im Winterschlaf
Wilde Karde im Winterschlaf
Das Interview
Herr Brandt, was hat Sie motiviert am Projekt teilzunehmen?
Da kam die Anfrage von Nordzucker und dem Projekt, wie ich dazu stehen würde [teilzunehmen]. Die Zuckerrübe ist an sich eine Reinkultur. Sie blüht nicht und ja, schön, dass sie Photosynthese macht, dass sie Sauerstoff bildet, – alles gut – aber der Nebeneffekt für die ganzen Nützlingsinsekten oder Bienen, Hummeln usw. […] sind in meinen Augen nicht da und so ist das damals gekommen. Ich wurde gefragt und [dachte] ach ja, kann ich mich mit identifizieren. Ich bin offen für alles, was Diversität und Ausgleichsmaßnahmen [betrifft], die möglich sein können für die Zukunft. Wir wissen ja nicht, wo die Reise hingeht. Vielleicht sollte es ja mal eine Gesetzgebung werden, dass diese Nützlingsblühstreifen [etabliert werden]. Da muss natürlich auch Erfahrung drüber gesammelt [werden]. Und da bin ich gerne bereit zu.
Über Ihren Zwischenfruchtanbau legen Sie schon viele Jahre lang Blühstreifen an. Wie hat das angefangen?
Ich habe also mehrere Blühstreifen […] angelegt und eigene Mischungen zusammengestellt. [Angefangen] wurde mal mit einem Streifen, der nicht passte. Es fehlten 3 oder 4 Meter am Acker, da habe ich dann einfach im Frühsommer meine Blühstreifen reingelegt – mal ein Hektar, mal zwei, mal drei, je nachdem. Was ein Vorteil an diesen Streifen ist, dass jetzt gerade über demWinter – wenn die stehenbleiben – man hat einen mordsmäßigen Wind- und dadurch Erosionsschutz. Das ist ein ganz positiver Effekt, den man nicht zu verachten hat. Hier bei uns ist es nicht so dramatisch, weil wir relativ schweren Boden haben. Aber kommt man weiter Richtung Norden, wo viel Sand und viel mehr Feinteile dabei sind, dann ist das von erheblicher Bedeutung.
Nehmen Sie auch an den geförderten AUKM-Blühstreifen-Programmen teil?
Die Landwirtschaftsprogramme sind häufig nicht sehr attraktiv. [Blühstreifen], wo man nur bis zu 30 oder 40 % schröpfen darf, und im nächsten Jahr könnte man die andere Hälfte schröpfen und dann muss das mindestens bis zum so und so vielten stehen gelassen werden. […] das ist unpraktikabel. Ja, wenn da jetzt zum Beispiel Unkraut drin ist, darf man nicht rein. Die Programme wirken wie in Stein gemeißelt, und das finde ich unflexibel und kontraproduktiv. Ja, also attraktiv muss es sein. Der Landwirt muss […] die Möglichkeit behalten, wenn Beikräuter da sind, dementsprechend zu handeln. Das muss gewährleistet sein, sonst würde es keiner machen. Also die Freiheit muss der Betriebsleiter immer haben, dass er da eingreifen kann.
Zu guter Letzt: Was ist Ihre Lieblingspflanze im Nützlingsblühstreifen?
Also die Kornblume […] die mag ich sehr gerne, weil sie sehr schön aussieht. Und die Wilde Karde, die mit diesen großen goldenen Sternen, ein absoluter Hummelfavorit. Da sitzen die Hummeln drauf wie Teufel. Das habe ich so vorher gar nicht gekannt und nicht gewusst.


