Benedikt Biermann
Saat-Gut Plaußig Voges AG, Leipzig

Benedikt Biermann
Es heißt ja immer, die Landwirtschaft muss der Umwelt helfen – aber wie kann die Umwelt auch der Landwirtschaft helfen?
Die Saat-Gut Plaußig Voges AG baut auf knapp 2.500 ha eine vielseitige Palette an Ackerkulturen – darunter Weichweizen, Hartweizen, Dinkel, Roggen, Hafer, Gerste, Mais, Raps, Zuckerrüben oder auch Soja- und Ackerbohnen an.
Der Betrieb liegt in der Stadt Leipzig und hat für unser Projekt drei Blühstreifen mit einer Gesamtlänge von 2.500 m angelegt.
Zuckerrübenfeld mit Blühstreifen
Zuckerrübe mit Blattläusen und Florfliegen-Larve
Das Interview
Was hat Sie motiviert am Projekt teilzunehmen?
Wir haben im Betrieb schon sehr viel gemacht, was Blühstreifen angeht – in den Spitzenzeiten um die 47 Hektar. 2019 habe ich dann ein Biotopverbund mitgegründet mit den hier ansässigen Unternehmen aus Industrie (BMW) und Verwaltung, der Stadt Leipzig, dem größten Imker aus Leipzig und dem NABU. Hier treffen wir uns monatlich, tauschen uns aus und setzen Projekte um. Das sorgt für mehr Verständnis füreinander. Darüber machen wir auch viel Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Wir stellen z.B. Schilder auf, weil wir ja wissen, Blühflächen sehen nach dem dritten, vierten Jahr nicht mehr so attraktiv für’s Auge aus. Und wenn einem die Fläche dann nicht gehört, weil sie nur gepachtet ist, muss man sich auch entsprechend mit dem Flächeneigentümer auseinandersetzen. Das heißt, da stehen dann entsprechende Schilder, warum das jetzt so aussieht und warum auch z.B. nicht bis nach unten gepflegt wurde, sondern nur die Hälfte. Im Biotopverbund ist es so, dass man dann immer mit den Aufgaben auch weitergewachsen ist.
Zuerst war es nur der normale Blühstreifen und dann haben wir Hecken gepflanzt und Fahrgassen begrünt. Und dann hatte ich von dem Nützlingsblühstreifen gehört und fand den Ansatz interessant. Es heißt ja immer, die Landwirtschaft muss der Umwelt helfen, aber wie kann die Umwelt auch der Landwirtschaft helfen? Und dazu die wissenschaftliche Begleitung: Was ist positiv in dem Blühstreifen gelaufen? Was hat sich angesiedelt oder auch nicht? Was ist auch nicht so gut gelaufen? Das ist auch wieder ein Ansatz für die Öffentlichkeitsarbeit – wir legen diese Nützlingsblühstreifen an, weil es uns einen Mehrwert bringt. Wir sind ja hier im Stadtgebiet und damit stark im Fokus unseres Handelns. Die Landwirtschaft generell steht ja sehr stark im Fokus der Gesellschaft, aber hier noch viel mehr. Die Hauptmotivation war aber einfach die Horizonterweiterung mit der Frage: Wo kriegen wir diesen Mehrwert her?
Nehmen Sie an Agrar- und Umweltmaßnahmen zur Anlage von Blühstreifen teil?
Wir haben damals Blühstreifen im Rahmen des Greenings angelegt sowie ISA-Streifen vom Land Sachsen (Förderrichtlinie Insektenschutz und Artenvielfalt). Die KULAP-Blühstreifen waren für uns bisher finanziell nicht interessant.
Wie finanzieren Sie die Projekte in der Saat-Gut Plaußig Voges AG?
Ja, das ist ein Luxus, den man sich leisten können und auch immer wieder hinterfragen muss. Die Produktpreise gehen in Richtung Keller und sämtliche Kosten für den Input steigen ins Unermessliche. Und das muss man hinterfragen, solange Umweltleistungen nicht entsprechend honoriert werden.
Ich bin ja der Meinung, dass die Umweltleistungen, die man als Landwirt erbringen kann, ein eigener Betriebszweig werden müsste. Dass man also nicht nur von Ackerbau und Tierhaltung spricht, sondern auch von Umweltleistungen, sodass das Ganze auch entsprechend lukrativ wird. Es wird immer gerne von Überproduktion gesprochen, von vollen Märkten und deswegen geringen Preisen, und dass man dann nicht versucht, das über die Stilllegung zu regeln, sondern über interessante Umweltprogramme. Jetzt gibt es zwar so etwas im Prinzip über die Agrar- und Umweltmaßnahmen, aber da sind die Zeiträume im Kleinen wie die jährlichen Regelungen sehr hinderlich. Das müsste praxisnaher sein.
Haben Sie Rückmeldungen von anderen Landwirt:innen bezüglich der Nützlingsblühstreifen bekommen?
Mit den Blühstreifen ist es ja so, dass in der Landwirtschaft natürlich immer gefragt wird: Wie viel Geld kriege ich dafür? Wenn ich da nicht genug Geld für bekomme, dann wird das eben nicht umgesetzt. Und das jetzt so freiwillig zu machen, wie wir es machen, einfach aus dem Ansatz, es ist für uns alle gut – das findet man dann doch leider immer noch viel zu wenig.
Dass jetzt diese Nützlingsblühstreifen bei unseren angrenzenden Nachbarn für nicht mehr große Aufregung gesorgt haben, liegt auch daran, dass wir ja schon viel machen. Das andere ist, dass durch eure tollen Infotafeln auch viele Fragen schon geklärt sind. Wir haben hier viele Betriebsbesuche, und dann steuere ich das schon gezielt an und erkläre dann auch, warum wir das machen.
Was wünschen Sie sich von der zukünftigen Agrarpolitik?
Wir merken, dass mit dem Regierungswechsel einfach mal so die ganzen grünen Themen in den Hintergrund geschoben wurden. Was natürlich in Bezug auf beispielsweise erneuerbare Energien mit PV als zusätzlichem Flächendruck eine Rolle spielt. Und wenn man sich mit diesen Themen beschäftigen muss und die jetzt aber wieder komplett nach hinten gedrückt werden, fehlt wieder die Planungssicherheit. Auch bezüglich der Blühstreifen – alles, was im Rahmen des Greenings mal angelegt wurde, wurde nach der Abschaffung des Greenings wieder umgebrochen.
Insgesamt müssten Umweltleistungen also erstmal lukrativ entlohnt werden. Da sind wir wieder bei diesem Punkt: Umweltleistungen, die man sich als entsprechenden Betriebszweig aufbauen könnte. Dann der zeitliche Rahmen, also: Wie kann ich das pflegen? Wann kann ich so etwas aussäen? Wann kann ich so was umbrechen oder brauche ich das überhaupt nicht umzubrechen? Also das sind so die drei Punkte für mich: Planungssicherheit, Entlohnung und der zeitliche Rahmen, um das attraktiv zu machen.
Zu guter Letzt: Was ist ihre Lieblingspflanze im Blühstreifen?
Also, der Klassiker, die Margerite, finde ich schon super. Und die Ringelblume. Das sind echte Eyecatcher. Aber auch die Acker-Witwenblume ist von der Farbe her sehr ansprechend.


